Eigentlich sollte das ein Beitrag darüber werden, wie man auch mit kleinen Brüsten selbstbewusst wird. Über das Finden der richtigen BH-Größe und wie man lernen kann mit seinen kleinen Brüsten glücklicher zu sein. Bis mir klar wurde, wie unsinnig das alles ist.

Ich habe viel über die Sexualisierung von Brüsten gelesen

Und die meiste Zeit dachte ich sogar, dass das alles keinen Sinn macht, denn natürlich sind Brüste (nur weibliche, versteht sich) sexuell. Denn immerhin finden Männer… Oh, Moment. Die Männer schon wieder. Männer haben also beschlossen, dass ich mich als Frau bedecken muss, da es ja sein könnte, dass sie sich von meinen Brüsten sexuell angezogen fühlen? Und genau das ist Sexualisierung. Selbst kleinen Mädchen, die noch gar keine Brust haben, werden Bikinioberteile angezogen, weil sich das ja so gehört. Eine Brust ist nur ein Körperteil wie jedes andere auch. Theoretisch könnte man sich von jedem Körperteil angezogen fühlen, doch nur bei der weiblichen Brust wird ein Aufstand gemacht. Und während Männer immer nur in Badehose am Strand rumlaufen, werden alle Frauen ohne Oberteil komisch angeschaut, angeglotzt und angegafft oder sogar aus dem Freibad geworfen. Dabei dient die weibliche Brust doch dazu um Babys zu füttert. Eine nackte Brust ist weder eine Einladung noch eine Provokation ist, es ist einfach nur ein Körperteil. Das sollte eigentlich selbst den Männchen verständlich sein.

Früher war es so eine typische Bravo-Frage an Jungs, ob sie damit einverstanden wären, wenn ihre Freundin ohne Bikini-Oberteil ins Freibad gehen würde. Das sind Denkweisen, die wir überall zu hören bekommen, die wir verinnerlicht haben und bei denen wir aktiv umdenken müssen. Tatsächlich fand ich das früher auch völlig legitim, dass ein Mann ein Mitspracherecht über den Körper seiner Freundin hat. Ich kann gar nicht in Worte fassen wie absurd das ist, denn niemand hat über meinen Körper zu bestimmen – nur ich selbst. Und wenn euer Freund wirklich ein Problem damit hat, ob und was ihr für einen BH tragt oder wo ihr euch wie zeigen wollt, dann solltet ihr ihm keine Zeit mehr schenken.

Aber anscheinend fühlen sich auch viele Frauen von fremden nackten Brüsten angegriffen. Dabei muss man sich nicht ausziehen, nur weil es erlaubt ist. Und man muss auch nicht hinsehen. Wenn man sich ohne BH oder Bikinioberteil unwohl fühlt, dann ist das natürlich vollkommen okay. Aber deswegen andere Frauen deswegen zu verurteilen oder überall anzuprangern, hilft niemanden. Am Ende führt das nur dazu, dass sich wieder jemand in seinem Körper unwohl fühlt obwohl es dafür keinen Grund gibt.

Wie ich mich mit kleinen Brüsten wohler gefühlt habe

Sich selbst in seinem Körper wohl zu fühlen ist wichtig. Also möchte ich das Thema jetzt nicht einfach streichen. BHs kaufen und tragen kann nämlich ziemlich Spaß machen. Natürlich wissen wir alle, dass es eigentlich egal sein sollte, ob man große, kleine, straffe, schlaffe Brüste hat. Aber das ist eben doch nicht. Da sind Schönheitsideale, fremde und eigene, da sind Gruppenzwänge und irgendwann war da einmal die Pubertät.

Als Teenager habe ich noch Bustiers getragen, als andere schon lange „richtige“ BHs hatten. Als ich dann auch welche besaß, habe ich nur welche mit ordentlich Push-Up gekauft in der Hoffnung mehr aus mir machen zu können als da war. Es ist nicht schlimm oder verwerflich, wenn man Push BHs trägt und gern hat, aber ich mochte sie nicht, weil sie sich falsch und unbequem angefühlt haben. Dass sie unbequem waren, lag rückblickend allerdings in erster Linie daran, dass sie nicht richtig gepasst haben. Der für mich persönlich wichtigste Schritt um mich mit meiner kleineren Oberweite wohl zu fühlen, war das Finden der richtigen BH-Größe.

Die richtige BH-Größe

Als erstes muss man erstmal verstehen, wie BH-Größen überhaupt funktionieren. Ich habe damals ein Video auf YouTube dazu gesehen und anschließend selbst nachgemessen. BHs werden durch zwei Größen definiert, dem Unterbrustumfang als Zahl in Zentimetern und einem Buchstaben, welcher das Verhältnis von Unterbrust- zu Brustumfang angibt. Beide Angaben zusammen ergibt dann die BH-Größe. Eine weitere wichtige Erkenntnis waren die sogenannten Kreuzgrößen. Die bedeuten, dass 75A, 70B und 65C in etwa die gleiche Cup-Größe haben und dass Sätze wie “die da hat bestimmt ein C-Körbchen” total sinnlos sind.

Ich war schon immer eine schlanke Person, allerdings fangen die meisten Unterbrustbänder bei den gängigen Klamottenläden erst bei 75 an, was viel zu weit war. Diese BHs konnten also gar nicht passen. Durch ein bisschen Recherche habe ich dann passende BHs bei Hunkemöller gefunden. Dadurch sahen meine Brüste plötzlich viel voller und für mich hübscher aus obwohl sich keinerlei Push Up in den BHs befand. Richtig sitzende BHs sind zu dem hundertmal bequemer.

Und dann aufgehört habe regelmäßig einen Bh zu tragen

Ich habe mich verlegen, einen Nerv eingeklemmt oder sowas ähnliches. Jedenfalls tat meine rechte Rippenseite eine Zeit lang super weh. Besonders da, wo der BH-Bügel aufliegt. Das war ziemlich unangenehm, also habe ich stattdessen Bustiers und Bralettes gekauft. Das klingt ein bisschen lächerlich, aber dadurch hat sich für mich wirklich eine neue Welt eröffnet und ich habe herausgefunden, welche Schnitte mir an meinem Körper besonders gut gefallen und mochte meine Brüste nun auch ohne BH langsam etwas mehr.

Über die Wochen habe ich mich dann daran gewöhnt und so irgendwie aufgehört regelmäßig Bügel-BHs zu tragen. Früher konnte ich mir das gar nicht vorstellen, denn immerhin haben mir jene diese ja mehr Selbstbewusstsein verschafft. Aber trotzdem ist kein BH halt immer noch bequemer als irgendein BH. (Disclaimer: Wie oben geschrieben, habe ich eher kleine Brüste und bin nicht auf einen bestimmten Support angewiesen. Ich kann mir vorstellen, dass Frauen mit großen Brüsten da ganz andere Bedürfnisse haben und mir einige hier bestimmt widersprechen. Aber darum geht es in diesem Beitrag nun mal nicht, denn ich habe da ja auch keine Erfahrungen. Es geht nur um ein gutes Körpergefühl.)

Das heißt natürlich nicht, dass ich nun gar keinen Bügel-BH mehr trage. Ich trage was ich an dem Tag passend finde. Das kann ein BH sein, ein Bustier, ein Bralette oder manchmal auch überhaupt nichts. Wobei ich zugeben muss, dass ich überhaupt nichts eigentlich nur zu Hause trage, doch auch das war früher für mich unvorstellbar. Neulich hatte ich allerdings ein ziemliches Schlüsselerlebnis. Ich wollte einen Brief zum Briefkasten bringen, ein Spaziergang von 500m vielleicht. Ich war an dem Tag krank und lag bis dahin nur im Schlafshirt zu Hause rum. Ich zog mir also eine Hose an (was schon genug Überwindung gekostet hat), ein frisches Oberteil und starrte mich dann so sicher zehn Minuten im Spiegel an ob ich so denn nun wirklich raus gehen kann. 500m, kein Menschenkontakt, krank – ohne BH. Letztendlich entschied ich mich dafür und es war wirklich keine große Sache. Aber es ist einfach so in meinem Kopf drin, dass man wenigstens irgendwas anziehen muss sobald man das Haus verlässt.

100% confident bin ich trotz allem aber immer noch nicht. Falls ihr übrigens ein gutes Video dazu sehen wollt, dann kann ich euch dieses von Snukieful empfehlen. Am Ende zählt nur, dass ihr das tut, was immer sich für euch persönlich gut anfühlt. Und es ist total egal, was irgendwer – ganz besonders Männer – dazu sagen. Trotzdem ist alles super, wenn ihr euch wohler dabei fühlt einen BH oder am Strand ein Bikinioberteil zu tragen. Und auch wenn ihr euch jeden tag umentscheidet. Am Ende ist genau das Feminiusmus – dass wir alle Personen unterstützen.