Heute feiern wir alle starken Frauen, die nach einem langen Arbeitstag noch mal eben die Welt retten. Wir danken unseren Müttern, Töchtern, Schwestern und Ehefrauen, dass sie so einen tollen Job machen. Dass ich aber nicht in erster Linie Tochter oder Schwester bin, sondern einfach nur ich, interessiert niemanden. Wir danken allen Power-Frauen, denn jede Frau ist anscheinend automatisch eine starke Frau, weil sie in einer Welt mit Männern überlebt.

Ich bin keine Power Frau.

Ich mache nichts Großartiges, was den Ausdruck Power-Frau verdient. Ich erfinde nichts, ich schaukle nicht Familie und Karriere, ich stehe nicht im Bundestag. Ich studiere, arbeite und lebe halt so vor mich hin. Wenn das schon reicht um als Power-Frau zu gelten, dann weiß ich ja auch nicht. Immerhin sind das ganz normale langweilige Dinge, die Mann auch tut. Oder muss ich wirklich dafür beklatscht werden einen ingenieurwissenschaftlichen Master aufgenommen haben? Come on, wenn wir das so außergewöhnlich finden, ist das mit der Gleichberechtigung aber noch ein langer Weg.

Große Zeitungen zeigen heute die Meilensteine der Frauenrechte.

Seit 1900 dürfen Frauen in Deutschland studieren, 18 Jahre später dürfen sie auch wählen. „Selbst das Autofahren mussten sich Frauen erkämpfen – 1958.“ So ganz verstehe ich nicht, was man uns damit sagen will. Dass wir froh sein können was wir haben, denn immerhin dürfen wir schon wählen und studieren? Oder dass wir stolz auf uns sein sollen, was wir schon erreicht haben? Ich habe gar nichts erreicht, denn da war ich ja noch lange nicht auf der Welt. Oder soll es uns motivieren, dass wir weiter für unsere Rechte kämpfen sollen? „Wir feiern 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland und wünschen uns mehr Mut und Kraft um den Kampf um Gleichberechtigung weiter zu führen.“ Stattdessen könnte man sie uns auch einfach einräumen ohne Kampf, just saying.

Wir feiern heute die starken Frauen.

Und das ist gut. Frauen, die uns neue Chancen einräumen, in dem sie sich einsetzen, laut sind, auf die Straße gehen. Frauen, die leise sind, sich einsetzen, auf Missstände und Missverständnisse hinweisen. Die diskutieren und erklären. Frauen, die unsere Gesellschaft vorran bringen; Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Ärtzinnen, Feuerwehrfrauen und Politikerinnen. Wir sollten auf immer noch fehlende Gleichberechtigung hinweisen, das ist wichtig. Aber man spornt uns an einen Kampf zu führen, immer noch. Das kann doch alles nicht so richtig sein.

Meinen letzten Beitrag zum Weltfrauentag über Feminismus findet ihr übrigens hier.