Achje, ich dachte nicht, dass ich mich noch einmal so fühlen würden. Unsicher, alleine, planlos – wie so ein Ersti. Diese Woche habe ich mein Masterstudium begonnen an einer neuen Hochschule begonnen. Das heißt für mich: neue Gesichter, neue Gebäude, ganz anderes System als am meiner alten Uni.

Alles auf Anfang, alles neu

In der ersten Woche waren erstmal diese typischen Erstiveranstaltungen. Natürlich waren die meisten davon Bachelorstudierende, die gerade erst aus der Schule kommen. Aber ich habe mich genauso gefühlt wie sie, genauso wie vor vier Jahren, als ich mein erstes Studium begonnen habe. Diese Gebäude sind dafür gemacht sich zu verlaufen, niemand weiß wohin und was als nächstes passiert. Niemand weiß wie die kommenden Semester werden. Es geht der erste Redner auf die Bühne, der Vize-Präsident der Hochschule. Er versucht uns Mut zu machen und bestärkt uns darin keine Angst zu haben. Stattdessen möchte er, dass wir hier Spaß haben werden und natürlich auch viel lernen.

Als ich den anderen so zuhöre, die es irgendwie nach ein paar Minuten schon geschafft haben jemanden zu finden, den sie vollquatschen können, fällt mir auf, dass ich doch gar nicht so unwissend bin. Sie rätseln über Module und Leistungspunkte. Wahrscheinlich wissen sie noch gar nicht, dass man sich überhaupt zu den Prüfungen erstmal anmelden muss. Andere erzählen, dass sie immer noch keine Wohnung haben und erstmal im Hostel wohnen. Dagegen kommt mir meine Zwei-Zimmer-Wohnung wie ein Luxusapartment vor. Es ist also alles doch gar nicht so schlimm, immerhin habe ich schon viel erreicht, habe ein ganzes Studium schon abgeschlossen. Ich habe ein ziemlich gefestigtes Leben in Berlin mit meinem Freund, meiner Wohnung und einem guten Werkstudentenjob. (Kurze appreciation, dass ich nicht mehr hinter einer Kasse arbeiten muss.)

Tipps für deinen Studienstart

Da ich mich nun kurz wieder beruhigt habe – auch wenn ich das bis morgen alles wieder vergessen haben werde, möchte ich euch ein paar Tipps mit auf den Weg geben, falls ihr diesen Monat auch als Erstis in einer Uni auftauchen werdet.

1. Die anderen sind genauso unwissend

Es hat sich folgende Situation abgespielt: Alle 400 Erstis vom Fachbereich haben gewartet, da eine weitere Einführungsveranstaltung anstand. Wir warteten, doch ein Prof kam nicht. Irgendwann fingen die Leute um mich herum an nervös zu werden. „Sollten wir vielleicht mal woanders hingehen?“ Wenn neben euch noch 399 andere stehen und warten, ist es wahrscheinlicher, dass der Prof einfach zu spät ist, statt dass sich alle Studenten geirrt haben. Ihr seid alle gleich unwissend, aber ihr seid zusammen. Bleibt einfach da, dann wird das auch. Der Prof kam übrigens einfach nur eine halbe Stunde zu spät, da er sich im Raum geirrt hatte. Also macht euch nicht verrückt, dass ihr etwas verpasst, denn die anderen wissen auch nicht mehr.

2. Versucht euch trotzdem zu informieren

Völlig unwissend sollte man nun auch nicht bleiben. Auch wenn es langweilig ist, lest eure Studienordnung und euer Modulhandbuch. Ich bin mir sicher, dass mindestens 80% der Fragen geklärt werden könnten, wenn jeder einfach mal seine Studienordnung lesen würde. Es ist sowas wie die Bedienungsanleitung und die Regeln eures Studiums. Darin wird zum Beispiel auch erklärt welche Module ihr wann belegen solltet, wie viele Wahlmöglichkeiten ihr habt und wie oft Prüfungen wiederholt werden dürfen.

3. Stellt Fragen

Für die restlichen 20% ergeben sich meistens zwei Lösungswege: Ihr wartet ab und das meiste klärt sich von selbst oder ihr habt Mut und fragt jemanden. Alle dort an der Uni sind auch nur Menschen, die Profs, die Verwaltung und die anderen Studierenden. Ich würde euch gerne eine Predigt darüber halten, dass man sich sofort Freunde suchen soll und mit jedem reden soll, aber dafür bin ich einfach selbst viel zu schüchtern. Aber selbst die Schüchternen über euch, können den Professoren eine E-Mail schreiben und fragen. Überwindet euch, traut euch. Ich versuche es auch.

4. Macht euer Ding

In der Uni trifft man auf sehr viele unterschiedliche Menschen. Während andere gerade aus der Schule kommen und noch bei Mama wohnen, haben andere schon eine abgeschlossene Ausbildung und Kinder. Jeder hat unterschiedliche Vorstellungen vom Leben und hält seine natürlich für die richtige. Dabei ist es voll in Ordnung mit 18 oder 20 noch zu Hause zu wohnen, erst mit Ende 20 ein Studium zu beginnen, weil man erst Arbeiten und Geld verdienen wollte, oder überhaupt gar keine Partymaus zu sein und deshalb nie auf Studentenfeiern zu gehen. Bleibt euch treu, probiert gerne Neues aus, aber macht doch euer eigenes Ding.

5. Kein Stress, kein Druck

Nach ein paar Wochen fragt sich eigentlich jeder, wie er das schaffen soll. Ich habe noch von keinem Studenten gehört, dessen Studium wirklich nur aus Party und ausschlafen bestand. Irgendwo hat jeder eben auch Grenzen und wenn man alles versucht hat und es trotzdem nicht geht, dann ist es kein Weltuntergang, wenn man eine Klausur schiebt. Mit diesem Gedanken sollte man zwar nicht in die erste Vorlesung gehen, aber es ist doch beruhigend, dass es die Möglichkeit gibt. Später interessiert es wirklich keinen mehr ob ihr ein oder zwei Semester länger studiert habt. Ein Studium soll immerhin auch noch Spaß machen.

Fotos von André

Für meine ehemalige Kommilitonin und gute Freundin E., wir rocken das schon. Miss you.

Was waren eure Erfahrungen als Ersti an der Uni?