Samstag war ein schlechter Tag. Die Haare sitzen nicht, meine Haut ist schlecht, ich sollte meine Pinsel mal wieder waschen, so kann man sich doch gar nicht schminken. Mein Lidstrich sitzt an neun von zehn Tagen perfekt, ich bin geübt. Heute ist Tag zehn. Wir brauchen sicher eine Stunde um mich anzuziehen, weil mir alles nicht Blogger genug ist. Voller Kleiderschrank aber alles nicht gut genug. Die anderen haben more fancy Outfits und schreiben darüber wie wichtig es ist seinen eigenen Stil zu finden. Ich glaube, ich habe gar keinen eigenen Stil, Style. Ewig scrollen wir auf Instagram und Pinterest. Vielleicht mal was Helles? Ich bin sonst eher so ein All Black Everything Typ. Ich habe noch eine weiße Jeans, die ich mal von einem Hostessenjob behalten durfte. Ja – nein – ich verdiene kein Geld mit meinem Blog. Hashtag White Jens. Das Outfit ist schön aber es ist eben nicht Blogger, glaube ich.

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Der Tag geht irgendwie schlecht weiter. Wir finden nicht das was wir suchen, die Straßen sind voll und überall sind viel zu viele Menschen. Irgendwo in Berlin Mitte halten wir nach einem ruhigen Ort Ausschau um schnell noch ein paar Fotos für den Blog zu machen. Aber ich habe keine Ahnung wie man auf Fotos gucken soll und was macht man eigentlich mit seinen Armen? Ich mag es eigentlich auch gar nicht fotografiert zu werden, ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt, und ein Fashiongirl bin ich auch nicht. Ich fühle mich von den Menschen, die hier ständig lang gehen, beobachtet. Trotzdem versuchen wir es, probieren neue Sachen aus, die out of my comfort zone sind. Doch letztes Wochenende hat das mit dem Shooten irgendwie besser funktioniert. Heute ist ein schlechter Tag.

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Auf Instagram habe ich heute 14 Follower verloren, aber bei meinen wenig hundert Followern macht das eigentlich auch  nichts. Ich müsste regelmäßiger posten, mehr Fashionposts, mehr bowls und goals – fitnessgoals, relationsshipgoals, studygoals. Mir fehlen lange blonde Haare mit Balayage, zwischen drin mal Unicorn Hair, immer Eyebrows on fleek, Contouring und die Heels. Es geht gar nicht um die gebotoxten Stars auf Hollywood, die auf der Vogue bis zur Unkenntlichkeit gephotoshoppt wurden, sondern die Blogger und Influencer mit ihrer realness, bei denen unauthentisch ein Schimpfwort ist. Ich müsste mehr um die Welt jetten, in hundert verschiedenen weißen Hotellaken oben ohne liegen, in ein Handtuch gewickelt vor Fensterfronten oder im Bikini unter Palmen. Aber ich sitze wieder in meinem verregneten Treptow, nicht mal Friedrichshain, Kreuzberg. Und ich vergesse kurz, dass ich das hier eigentlich alles genau so mag, meine simplen Klamotten, meinen Blog und Instagram, Berlin Treptow. Ich bin nicht over productive, kein girlboss, schreibe keine Datingkolumnen. Ich bin kein glorified „armer“ Student mit MacBook auf der einen, Chanel auf der anderen Seite und selbstständig mit einem Life und Style Blog. Ich bin den ganzen Tag grumpy, aber am Ende in den Armen meines Freundes, der nicht müde wird mir jedes Mal zu sagen wie hübsch er mich findet, dass er mich liebt. Und dass ich den ganzen Tag grumpy war.

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Oberteil  / H&M
Jeans / Tom Tailor
Sneaker / Payless ShoeSource

Fotos von André