Mit diesem Post kam ich genauso schwer voran wie mit meiner Bachelorarbeit. Ich habe nun alle Klausuren mehr oder weniger erfolgreich bestanden und habe im letzten Sommer mein Pflichtpraktikum absolviert. Ich bin also fast fertig mit meinem Geowissenschaftsstudium und jetzt fehlt nur noch – ja, „nur noch“ – die Bachelorarbeit.

Prolog

Zunächst musste ich mich natürlich um ein Thema kümmern. In meinem Fall habe ich einfach einer Dozentin von mir eine nette E-Mail geschrieben ob sie mich betreuen könnte und eventuell sogar schon ein Thema parat hätte. Es gibt natürlich noch unzählige andere Möglichkeiten, sodass man schon ein Thema im Kopf hat oder bei einer Firma seine Arbeit schreibt. Meine Dozentin lud mich gleich zu einem Gespräch ein und machte mir einen Themenvorschlag. Sie arbeitet an einem Projekt in der Paläontologie der Normandie und hat dort einige Auskopplungen für Bachelorarbeiten. Meine Aufgabe würde es werden die organischen Pflanzenreste im Gestein (Oberjura) zu analysieren und so etwas über den Meeresspiegel zu lernen. Außerdem würden wir im Sommer selbst in die Normandie fahren um dort Proben zu sammeln. Damit stand also schon einmal mein Thema. Einen Tipp kann ich euch schon mal geben: Kümmert euch bloß rechtzeitig um alles. Ich habe im 5. Semester damit angefangen, im 6. war besagte Geländearbeit und nun schreibe ich im 7. Semester endlich an meiner Arbeit.

Literaturrecherche

Als nächstes musste ich mich natürlich erstmal in das Thema einlesen. Dafür habe ich einige Paper von meiner Dozentin bekommen und mich selbst auf Google Scholar umgesehen. Außerdem habe ich mir einige Seiten von Büchern aus der Bib kopiert. Anschließend habe ich schon angefangen etwas an Kapiteln zu schreiben, für die ich die Proben noch nicht brauchte, zum Beispiel etwas zur Methode.

Geländearbeit

In meinem Studiengang ist es üblich, dass einer Bachelorarbeit eine Geländearbeit voraus geht. Dafür sind wir mit dem Auto von Berlin aus in die Normandie in die Nähe von Le Havre gefahren und haben dort ein langes Wochenende gecampt. (Erinnert ihr euch?) Den ganzen Tag haben wir dann im Gelände verbracht und uns über die Ablagerungsbedingungen Gedanken gemacht und Proben genommen. Einige hübsche Bilder aus der Normandie habe ich für euch übrigens hier, wenn mal gerade die Sonne scheint, es nicht super kalt ist obwohl gerade Sommer ist und man nicht halbtot ist, weil alles so fürchterlich anstrengend ist.

Foto 06.08.16, 17 19 00

Probenaufbereitung

Von all meinen Proben musste ich ein ungefähr 100g schweres Stück abtrennen und es zur Aufbereitung geben. Da das in meinem Fall eine ziemlich gefährliche Sache mit Flusssäure ist, wurden sie in anderen Laboren in Darmstadt und Stockholm aufbereitet, wo meine Dozentin Connections zu den Präparatoren hat. Das ist jetzt endlich durch und die letzten Proben sind seit Freitag in flüssiger Form zurück in Berlin.

Mikroskopieren

Einige der aufbereiteten Proben kamen allerdings schon früher an, so dass ich sie unterm Mikroskop schon einmal sichten konnte. Ich muss für meine Arbeit verschiedene Partikel erkennen und bestimmen können und das muss ich natürlich erstmal üben. Dafür habe ich Bestimmungstafeln angefertigt indem ich verschiedenes, was ich unter dem Mikroskop erkennen konnte, fotografiert und mit der Hilfe meiner Dozentin dann richtig bestimmt. So haben wir auch die Kategorien zusammen festgelegt unter denen ich mir die Präparate dann anschauen soll.

Processed with VSCO with a6 preset

Jetzt

Tatsächlich sind wir erst jetzt bei „heute“ angekommen. Alles andere erstreckte sich über das vergangene Jahr. Das war teilweise so gewollt, weil ich im sechsten Semester noch Kurse und meine letzten Klausuren hatte. Außerdem habe ich im vergangenen Sommer mein Praktikum gemacht. Teilweise hat sich die Aufbereitung im Labor auch etwas hingezogen. Morgen gehe ich ins Labor an meiner Uni und mache aus den flüssigen endlich feste Präparate. Danach beginne ich sogar endlich das erste Präparat richtig durchzusehen. Das bedeutet, dass ich pro Probe etwa eine Gesamtzahl von 300 Individuen unter dem Mikroskop bestimmen und zählen muss. Das mache ich dann mit allen Proben so um am Ende die verschiedenen bestimmten Komponenten ins Verhältnis setzen zu können und zu interpretieren.

Ohne Witz, ich freue mich wirklich, dass es jetzt endlich so richtig richtig losgeht, denn irgendwann möchte ich meinen Bachelor natürlich auch mal abschließen. Und weil es das Studentengesetz so will, kommen am Donnerstag meine aktuelle Serienempfehlungen von Netflix online.